40 Jahre SPD Ortsverein Ellerstadt

Die Geschichte des Ortsvereins in den ersten 25 Jahren

25 Jahre SPD Ortsverein Ellerstadt

In den Abendstunden des 28. September 1969 zeigte ein Politiker ersten Ranges außerordentliche Aktivitäten. Er nahm Kontakt auf zu einer anderen politischen Persönlichkeit und noch ehe der neue Tag heraufzog, waren wichtige Verabredungen getroffen und die Weichen für das weitere Schicksal der noch jungen Bundesrepublik Deutschland gestellt. Die Rede ist von Willy Brandt und Walter Scheel und dem Beginn der Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl. Die Eile war verständlich. Die vorausgegangene Große Koalition sollte keinesfalls wiederholt werden, aber ein Bündnis CDU/FDP war ganz unwahrscheinlich auch nicht. Willy Brandt, bislang Außenminister, war entschlossen, seine begonnene Politik fortzusetzen. Das Vorhaben gelang. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Koalitionsver-handlungen mit der FDP wurde Brandt mit 251 Ja-Stimmen gegen 235 Nein-Stimmen zum ersten sozialdemokratischen Kanzler seit 1930 gewählt. Der weitere Verlauf der Geschichte ist hinlänglich bekannt. In den Jahren bis 1972 konnte Willy Brandt seine Außenpolitik im wesentlichen verwirklichen und Deutschland zu einem ausgezeichneten Ruf in der ganzen Welt verhelfen. Wenige Monate vor diesen dramatischen Ereignissen war in der „Rheinpfalz“ vom 12. April1969 eine kleine Anzeige erschienen.

NEUER ORTSVEREIN ELLERSTADT
Am Montag, 20 Uhr, stellt sich in einer öffentlichen Versammlung Der neue SPD-Ortsverein Ellerstadt vor. Der Unterbezirksvorsitzende Karl Ritter spricht über „Die Ziele der SPD bei den Kommunalwahlen“

Mit ihr wurde die Gründung des Ortsvereins Ellerstadt der SPD bekannt gegeben. Die Zeit war reif für die Gründung auch unseres Ortsvereins. Das Ansehen der Politik und insbesondere der SPD war durch die Person Willy Brandts gestiegen. Viele Menschen wollten die neuen Ideen und Vorstellungen der SPD mittragen und helfen, sie zu verwirklichen. Die bisher in unserer Gemeinde „regierenden“ Wählervereinigungen waren zu sehr in eigene Interessen verfangen und viele gemeindliche Aufgaben warteten darauf, in Angriff genommen zu werden. Die Gründungsversammlung des Ortsvereins fand also am 12. April 1969, einem Montag, im Sportheim statt. Anwesend waren ca. 80 Personen, was für das große Interesse spricht. Der Unterbezirksvorsitzende Karl Ritter hielt das angekündigte Referat über die Ziele der SPD bei den anstehenden Kommunalwahlen. Auf der ersten Mitgliederversammlung am 28. April 1969 wurde der Vorstand und die Beisitzer gewählt. Die Mitglieder trafen folgenden Wahl: 1. Vorsitzender Adolf Geis 2. Vorsitzender Wolfgang Köppe Hauptkassierer Gustav Becker Schriftführer Karlheinz Schwarzweller Beisitzer Rudi Ullrich Rudi Hoffmann Ludwig Bohrmann Unterkassierer Manfred Horter Mit Adolf Geis hatte der Ortsverein einen Vorsitzenden gefunden, der sozialdemokratische Ideen und Ideale in verbindlicher Weise vertrat. Dass es gelang, in kurzer Zeit ein tragfähiges Fundament für die Arbeit des Ortsvereins zu errichten, ist im wesentlichen ihm zu verdanken. Die Versammlung wählte auch die Kandidaten für die bevorstehenden Wahlen zum Gemeinderat. Die anwesenden 23 Mitglieder beschlossen, dass Themen wie Straßenbau, Kanalisation, Förderung des Obst- und Weinbaus und der gewerblichen Wirtschaft Schwerpunkte der Arbeit des Ortsvereins werden sollen. Es sei daran erinnert, dass zu dieser Zeit noch längst nicht alle Straßen –insbesondere in der Akaziensiedlug- befestigt waren und ein umfassendes Kanalnetz noch in weiter Ferne lag. Die Notwendigkeit, diese Themen anzupacken, zeigte sich im Ergebnis der Wahlen. Der SPD gelang es sozusagen aus dem Stand ca. 28% der abgegebenen Stimmen auf sich zu vereinen. Das bedeutete vier Sitze im Gemeinderat, die von Karlheinz Schwarzweller, Gustav Becker, Wolfgang Köppe und Ludwig Bohrmann besetzt wurden. Ortsbürgermeister der Gemeinde war zu dieser Zeit Wilhelm Hammel. In der Folge fanden zahlreiche Mitgliederversammlungen auch mit prominenten Gästen, z.B. mit Dr. Ludwig, dem Oberbürgermeister aus Ludwigshafen statt. Viel Arbeit und Zeit wurde in den Bundestagswahlkampf 1969 investiert. Von Anbeginn an kam die Pflege des Geselligkeit nicht zu kurz. So veranstaltete der Ortsverein bereits am 17. Oktober 1970 einen Ausflug in das Saarland. Politisch standen in diesen Tagen Bestrebungen zur Abtrennung der Akaziensiedlung auf dem Programm. Für den Ortsverein und die Fraktion war dies der falsche Weg und es gelang schließlich auch den Plan zu Fall zu bringen. Weitere Unruhe brachte die Schaffung der Institution der Verbandsgemeinde. Es gelang nicht, die gewichtigen Vorbehalte gegen die Einführung umzusetzen. So entschloss man sich letztlich doch zur Mitarbeit. Bei der Wahl zum Verbandsgemeinderat im April 1974 waren Wolfgang Köppe und Karlheinz Schwarzweller erfolgreich. Fast wäre es der SPD gelungen, den Verbandsbürgermeister zu stellen. Mit nur einer Stimme mehr wurde der Kandidat der CDU, Franz Eggebrecht, gewählt. Wilhelm Hammel wurde in diesem Jahr von Herbert Deisinger als Ortsbürgermeister abgelöst. Auch hier sei wieder ein kleiner Seitenblick auf die „große Politik“ erlaubt. Im Mai 1974 trat Willy Brandt infolge der sogenannten Guillaume-Affäre zurück. Zwar stellte die SPD auch weiterhin mit Helmut Schmidt den Kanzler, dennoch war eine Ära zu Ende gegangen. Acht Jahre, bis 1982 sollte die SPD in Bonn noch Regierungspartei sein, bis schließlich die FDP wiederum eine Wende einläutete und die bis heute regierende christlich/liberale Koalition möglich machte. Doch zurück zum Ortsverein. Dieser zählte damals 38 Mitglieder. Auf der Mitgliederversammlung vom Mai 1976 gab der bisherige Vorsitzende Adolf Geis den Vorsitz des Ortsvereins aus Altersgründen ab. Ihm folgte Helmut Rentz nach. In ihm fand der Ortsverein einen hervorragenden Verwaltungsfachmann mit politischen Ambitionen. Im Gemeinderat begann Adolf Bernhardt seine für die Gemeinde und den Ortsverein positive Tätigkeit. Drei Jahre später war das zehnjährige Jubiläum zu feiern. Man traf sich hierzu am 2. Juni 1979 im Saal des Sängerheims. Im Jubiläumsjahr wurde Helmut Rentz zum ersten sozialdemokratischen Bürgermeister unserer Gemeinde gewählt. In einer Zeit, in der die SPD bereits anderswo mit heftigem Gegenwind zu kämpfen hatte. Ein Beweis mehr dafür, dass es dem Ortsverein auch weiterhin gelang, seine Ziele überzeugend zu vertreten. Die folgenden Jahre verzeichneten keine außergewöhnlichen Ereignisse. Die Vorstandssitzung vom 19. Januar 1982 verzeichnete als Gäste Manfred Hofmann und Michael G. Wiel, zwei Mitglieder, die den weiteren Weg des Ortsvereins in entscheiden-dem Maße bestimmen sollten. Zu Beginn dieses Jahrzehnts war die politische Lage bestimmt vom wirtschaftlichen Abschwung und damit einhergehender Arbeitslosigkeit. Auch die SPD mit Kanzler Helmut Schmidt war in eine Krise geraten. Sie konnte im Wahlkampf 1983 das Blatt nicht mehr wenden. Die Wahl ging verloren. Der Ortsverein half mit einem Referat von Karl Feuerstein (Betriebrat bei Mercedes-Benz) aus Mannheim das Thema anzugehen und Unsicherheiten und Ängste im Gefolge der neuen Machtverhältnisse abzubauen. Die Generalversammlung am 7. Mai 1982 wählte Manfred Hofmann und Michael G. Wiel in den Vorstand. Der Mitgliederstand war auf 65 angewachsen, davon waren 8 Mitglieder Frauen. Im Jahr darauf, am 2. Juli 1983, starb der erste Vorsitzende des Ortsvereins, Adolf Geis, im Alter von 67 Jahren. Viele begleiteten den Mann der ersten Stunde auf seinem letzten Weg. 15 Jahre nach der Gründung des Ortsvereins konnte Helmut Rentz mitteilen, dass es der SPD bei den Gemeinderatswahlen 1984 gelungen sei, mit 8 Sitzen die absolute Mehrheit in diesem Gremium zu erlangen. Ein fürwahr beachtlicher Erfolg. Wenige Jahre später hatte der Ortsverein 66 Mitglieder, davon waren 54 Männer und 12 Frauen. Unter diesen konnte Helmut Rentz im April 1987 als ältestes Mitglied Katharina Baumann für 40-jährige Parteizugehörigkeit ehren. Er selbst wurde von den Mitgliedern zu seinem 10-jährigen Vorsitz beglück-wünscht. Helmut Rentz war der Meinung, nach zehn Jahren könnten „neue Männer“ nicht schaden, und kandidierte mithin nicht mehr für den Vorsitz. Die Versammlung wählte Manfred Hofmann zum neuen Vorsitzenden und Michael G.Wiel zu seinem Stellvertreter. Der neu gewählte Vorstand war bald in vollem Maße gefordert. Im Jahre 1989 fanden Kommunalwahlen und Wahlen zum Bundestag statt. Der Wahlkampf gab dem Ortsverein Gelegenheit, die Ziele der SPD insbesondere in der örtlichen Politik überzeugend darzustellen. Aussagen zur Verkehrsberuhigung im Ort, Erhöhung der Wohnqualität durch Verbesserung der Infrastruktur, solide Finanzpolitik fanden bei den Bürgern Gehör und so konnte die SPD bei den Wahlen zum Gemeinderat ihre Mehrheit ausbauen und 9 Sitze erringen. Helmut Rentz, der die Geschicke der Gemeinde mit allgemeiner Anerkennung leitete, blieb selbstredend weiterhin Ortsbürgermeister. Wie im Wahlkampf angesprochen, standen für Ellerstadt große Vorhaben an. Ein neues Gewerbegebiet sollte entstehen, die Haardtstrasse war zu reparieren um nur die Spitze der Aufgaben zu nennen. Der Ortsverein beteiligte sich durch lebhafte Diskussionen in den Mitgliederversammlungen an der Lösung der Probleme. Solche bereitete auch die für unseren Ort unverzichtbare Rhein-Haardt-Bahn. Hier konnte schließlich nach jahrelangem Hin und Her der zukünftige Betrieb langfristig gesichert werden. Der Landtagswahlkampf in Mai 1991 forderte vollen Einsatz auch vom Ortsverein. Die allgemeine politische Lage sah die SPD im Aufwind und so wurden größte Anstrengungen unternommen. Diese wurden belohnt. Rudolf Scharping wurde Ministerpräsident. Im Herbst 1992 zeichnete sich ein neuerlicher Wechsel im Vorstand des Ortsvereins ab. Auf der Mitgliederversammlung vom 13. November 1992, der Ortsverein hat zu diesem Zeitpunkt 65Mitglieder, davon 50 Männer und 15 Frauen, gibt Manfred Hofmann bekannt, dass er nicht mehr für den Vorsitz kandidieren möchte. Seine kommunalpolitische Inanspruchnahme als 1. Beigeordneter und die Tätigkeit in den Räten des Ortes und der Verbandsgemeinde sei recht groß und es solle doch nicht zu einer Gefährdung der Arbeit im Ortsverein kommen. Die Mitglieder zeigten Verständnis. Der bisherige Stellvertreter des Vorsitzenden, Michael G. Wiel, wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt und Ernst-Jörg Otterburg aus der Akaziensiedlung zu seinem Stellvertreter. Mit einem neuen und doch bewährten Team ging der Ortsverein; der trotz vielzitierter Politikverdrossenheit seinen Mitgliederstand zu Beginn des Jahres 1994 auf 73 Personen erhöhen konnte, nicht gerade leichten Zeiten entgegen. Die Geschichte eines Ortsvereins, ob jetzt hier in Ellerstadt oder anderswo wird nicht allein durch seinen Vorstand und wie dieser die anstehenden Probleme angeht bestimmt, sie wird in entscheidendem Maße durch die Mitglieder geprägt. Und hier kann unser Ortsverein sozusagen auf sich selbst stolz sein. Ob es um die Mithilfe bei Wahlkämpfen oder Veranstaltungen geht, es finden sich immer genügend Mitglieder, die zu helfen bereit sind. Gerade die Aktionen in den letzten Monaten, insbesondere zur Dorfverschönerung haben dies eindeutig bewiesen. Aber auch schon früher, es sei nur an die Müllsammelaktionen vor etlichen Jahren erinnert, als Begriffe wie Problemmüll noch nicht in aller Munde waren, war dies nicht anders. Aus gutem Grunde wird die Geselligkeit im Ortsverein nicht vernachlässigt. Die Familienfeiern, Stammtische bei den örtlichen Festen und nicht zuletzt die rege Teilnahme des Ortsvereins an den jährlichen Pfalztreffen trugen immer wieder dazu bei, sich untereinander besser kennen zulernen, andere Meinungen zu respektieren und sich so auch besser zu verstehen lernen. Liebe Leserin, lieber Leser, hier enden die ersten 25 Jahre der Geschichte des SPD-Ortsvereins Ellerstadt. Wir sind z. Zt. dabei, die weitere Geschichte des Ortsvereins zu dokumentieren. Sie können eine Kopie die damaligen Festschrift kostenlos beziehen über: Michael G. Wiel Hohenfelser Straße 4 67158 Ellerstadt Tel. 06237 / 6243 oder Kontakt auf dieser Homepage Unsere Gesellschaft neigt dazu Einzelinteresse vor Gemeininteresse zu stellen. Wir halten diesen Weg für nicht erstrebenswert und so soll, wie in der Vergangenheit auch in Zukunft, unser Ortsverein eine Stätte der vielfältigen Gemeinsamkeit und der Solidarität sein. Wollen Sie Ellerstadt mitgestalten ? Wenn ja, nehmen Sie Kontakt zu uns auf.